Dame Cicely Sounders

(Ärztin und Sozialarbeiterin)

im Gespräche mit Werner Burgheim


Hospizarbeit

„Sie sind wichtig,weil Sie eben Sie sind. Sie sind bis zum letzten Augenblick Ihres Lebens wichtig und wir werden alles tun, damit Sie nicht nur in Frieden sterben, sondern auch bis zuletzt Leben können.“

Cicely Saunders

 

Seit Menschengedenken wird Sterben als Teil und als Ende des Lebens erlebt. Es wurde kultiviert und gemeistert. Bisher waren dazu nie Bücher von mehreren 100 Seiten erforderlich. Was ist am Sterben heute anders, so schwer geworden, dass eine Fülle von Hilfeleistungen gebraucht und nachgefragt werden?

  • Ist es die Erkenntnis, dass die Tabuisierung der Themen Sterben, Tod und Trauer in der Gesellschaft nicht weiter hilft?
  • Ist es die Erkenntnis, dass die Verdrängung auch beim medizinischen Personal, das sich ja dem Leben verschrieben hat und der Tod eines Menschen als Scheitern erlebt wird, den Umgang mit den Sterbenden erschwert?
  • Ist es die Überforderung, wenn im Altenheim Sterben manchmal im Akkord stattfindet, der Zeitdruck aber keine ausreichende Begleitung zulässt und ein unangenehmes Gefühl zurückbleibt?
  • Ist es die Dienstleistungs-gesellschaft, die in vielfältigen Ausdifferenzierungen Angebote bis und gerade für das höhere Alter und das Ende des Lebens zur Verfügung halten will? 
  • Sind es die Institutionen, in denen ja zu 80 % gestorben wird, die inzwischen alle über Qualitätsentwicklung, über ihre Leistungen an den Patienten als Kunden nachdenken und diese bis zum Tode und darüber hinaus optimal versorgen wollen, - doch wie?
  • Haben die inzwischen entstandenen ambulanten Hospizgruppen erkannt, dass mit einem guten Herzen allein, dass in einer Kuschelgruppe und mit einer brennenden Hospizkerze keine qualifizierte und angemessene Sterbe- und Trauerbegleitung zu leisten ist?

Noch vor Jahren waren in den Vorbereitungs-materialien für die ärztliche Prüfung mit insgesamt 700 Seiten ganze 5 Zeilen zur Sterbebegleitung formuliert. Inzwischen wurde in die Pflegehandbücher Kapitel zur Sterbebegleitung aufgenommen und in die Curricula der Palliativärzte- und Pflegezusatzausbilungen feste Module vorgeschrieben.

 

Die Anforderungen und die Themen sind vielfältig. Nachdenken und Eigenreflexion über Sterben und Tod, über Sterben als Krise und den Sinn des Lebens und Sterbens als wichtige Einstiegs-reflexionen.

Kommunikationsverläufe sind schon im Alltag schwierig. In zugespitzten Situationen, im Stress des beruflichen Alltags, mit Menschen in lebensbedrohlichen Krisensituationen gilt es, sensibel und angemessen zu reagieren oder wenigstens die größten Missverständnisse zu vermeiden, insbesondere, wenn das Gegenüber in einer eigenen, verschlüsselten und symbolischen Sprachen kommuniziert. 

 

Ein hilfreiches

Team

 


Palliative-Care

Eine ganzheitliche Versorgung im Rahmen von Palliativ-Care geht von der Erkenntnis aus, dass der Mensch nicht nur aus dem Körper besteht, der bestmöglich gepflegt und versorgt werden will, sondern dass der Mensch vielfältig Zuwendung und Behandlung bedarf.

Sie beruht auf vier Säulen:

  • Die Palliativmedizin,
  • die Palliativpflege,
  • die psycho-soziale und
  • die spirituelle Begleitung.

Alle vier Säulen müssen in einem ganzheitlichen Konzept zum tragen kommen!

Gerade die Schmerztherapie zeigt, dass es eines hohen Kenntnisstandes bedarf und gerade die psychisch- affektiven Faktoren eine große Rolle spielen. Die Ärzte müssen viel wissen, um wenig zu tun.

In der letzten Lebensphase ist die Psyche und ist das soziale Umfeld, das Zuhause oder wenigstens das Daheim von großer Bedeutung. Auf Ängste und auf das Leiden ist verständnisvoll und kompetent zu reagieren.

Spirituellen Fragen und Nöte wollen besprochen und gemeinsamen Suchbewegungen zugeführt werden.

 

Neben den stationären Einrichtungen wie Hospize und Palliativstationen der Krankenhäuser sind für ein Sterben zu Hause Netzwerke mit dem Haus- bzw. Palliativarzt, der Sozialstation, den Seelsorgern und der Hospizgruppe vorhanden (SAPV), welche eine ganzheitliche Versorgung und Begleitung gewährleisten sollen. Mit den vielen ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleitern arbeiten professionelle Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, Hospizschwestern und Theologen zusammen. Dies steht unter einer positiven, aber nicht unproblematischen Spannung. Eine gute Zusammenarbeit und geeignete Bewältigungsformen bei Konflikten sind für eine positive Arbeit unerlässlich. 

 

Möglichkeiten und Grenzen der Selbstbestimmung und der Menschenwürde sind immer wieder neu herausgefordert und in Frage gestellt.

Die Würde des Menschen ist heute antastbar.

Auf die vielfältigen rechtlichen Fragen zur Patienten-verfügung, zur Organtransplantation und zur Euthanasie-diskussion muss von den Ehrenamtlich und Profesionellen ein eigener Standpunkt, ein solides Wissen erarbeitet werden, um für eine qualifizierte Sterbe- und Trauerbegleitung gut vorbereitet zu sein.