Lebenskrisen und Schicksalsschläge meistern

 

 

"Ich bin am Boden zerstört. Ich bin hilflos und kraftlos. So schnell komme ich da nicht mehr hoch", so beschreiben Menschen in Krisen ihre Situation. Manche glauben sogar, im Sumpf zu versinken oder ins Bodenlose zu fallen, ohne Halt, in ein Loch ...

Da hat es der Erstere besser. Er hat noch Boden unter den Füßen, noch Bodenhaftung. Dieser Mensch kann sich abstützen, später den Boden als Widerstand für den Absprung oder Aufschwung nutzen, wenn er es dann wagt und wieder bei Kräften ist.

Dies scheint auch nötig, denn liegen bleiben, in der Krise verharren, so glaubt der heutige Mensch, kann man sich nicht leisten. Schnell ist man weg vom Fenster, ausgemustert. Heute zählt Jungsein, Erfolg und Dynamik. Wer da länger liegen bleibt, hat verloren. Schnell die Krise hinter sich bringen und wieder fit sein. So ist heute die Devise.

Doch wer zu schnell aufsteht, fällt bald wieder. Die Gefahr ist groß, lebenswichtige Wachstums- und Reifeprozesse abzukürzen, vorschnell den Starken zu spielen, - um bald noch tiefer zu fallen.

 

Wüste ist die Unterbrechung dessen,

was du kennst und was dir lieb geworden ist.
Was dich erschreckt,
ist der Anfang der Wüste.
Wo du nicht weiter weißt,
beginnt die Wüste.
Aber in der Wüste kann auch das innere Wunder geschehen.
Bist du bereit, dich zu öffnen
für die Leere?

 

Ulrich Schaffer
aus: “Wenn dein Herz eine Wüste ist“

Krisen sind Wüstenwege.

Wüste ist Einsamkeit total, Kampf ums Überleben. Unfruchtbarkeit und Mangel am lebensnotwendigen Wasser, unendliche Weite und Leere. Die gnadenlose Hitze des Tages wechselt mit der Kälte der Nacht. Heiß und kalt wird es einem, und doch haben gerade Weise und Eremiten die Wüste aufgesucht, um in der Ruhe, im absoluten Schweigen, sich wieder zu finden. In der bewussten Ruhestellung des Geistes, in der Ruhe und in der Sammlung führt der Weg auch in die innere Wüste zu den Fragen, was wirklich wichtig ist im Leben, zu den Grenzen von Leben und Tod.

"Die Schönheit der Wüste ist, dass sie einen Brunnen birgt", so sagt der Kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry. Wasser bedeutet Leben, ist existentiell.. Im Brunnen ist Wasser im Überfluss, mitten in der wasserlosen, lebensbedrohlichen Wüste. Gespeist wird der Brunnen von unterirdischen Quellen, oft vor Jahrhunderten entdeckt und seither im Fluss gehalten. Brunnen als Ort des Überlebens sind Treffpunkte für Menschen. Am Stein des Brunnens saßen schon Generationen. Er ist Ort des Gespräches, der Gemeinschaft. Ein fast Nichts, eine einfache Handlung, die Betätigung der Kurbel, die den Kübel hinabführt zum Wasser. Das Reichen des Bechers mit Wasser wird zur Hingabe, zur Liebe. Und dann atmet sich wieder gut, dann leuchtet die Wüste wieder honigfarben. Auf der Suche des Menschen nach Begegnung, nach einem Freund, wird dieser Schluck, dieser Brunnen herausgehoben. Unter den vielen Menschen und in vielen Brunnen wird er und bleibt er einmalig und einzigartig, als Symbol der Zusammengehörigkeit über Zeit und Grenzen hinweg.

Brunnen sind in den Märchen Orte der Verwandlung, Orte des Übergangs und Schwelle in eine andere Welt. Auf dem Grund des Brunnens, in der Tiefe ist Leben, zu der wir vorstoßen müssen, um zum Lebens spendenden Wasser zu gelangen.

Wenn wir in Krisenzeiten auf den Boden geworfen sind und wir Menschen finden, die uns dann Kraft geben, um uns aufzurichten, die mit uns durch die Wüste der Krise gehen, uns begleiten und mit uns den Brunnen und die Quellen suchen, dann das Wasser vom Boden der Quelle heraufholen und als Samariter am Jakobsbrunnen lebendiges Wasser reichen, dann bekommt der Brunnen eine Lebens spendende Kraft.

Mit der Metapher "am Boden" und mit dem "Wüstenbrunnen" ist angedeutet, dass es in der Krise Ängste und Hoffnungen gibt: Die Angst liegen zu bleiben und zu Grunde zu gehen, aber auch die Hoffnung, die eigenen Stärken und Kraftquellen neu zu entdecken, auf die Hilfsbereitschaft und Begleitung von Menschen, die am Brunnen stehen und uns das Lebens spendende Wasser reichen, vertrauen zu können. Dann werden sich in diesem Wasser Himmel und Sterne spiegeln, aber auch in den Pfützen des Lebens.
 

 

 

Psycho-Onkologie

Lebensbedrohliche Krankheiten stürzen den Betroffenen in eine schwere Krise. Er denkt, den Boden unter den Füßen zu verlieren, ins bodenlose zu fallen.

Ängste und Stress verschlimmern aber nur die Krankheit und schädigen das Immunsystem.

Lebensbedrohliche Krankheiten wie beispielsweise Krebs, bedürfen neben einer guten körperlichen Versorgung (Schmerztherapie, Pflege u.ä) einer psycho-sozialen Begleitung. In den verschiedenen Phasen der Krise geht es um angemessene Beratungs- und Lernangebote, es geht um ganz praktische Hilfe zur Lebensbewältigung, es geht um die Aufarbeitung der Biografie, um die Form des Lebens zu schließen, es geht um die Gestaltung der vielen Abschiede.

 

Im Konzept des

Bochumer Gesundheitstrainings (BGT)

geht es nicht nur um die Stärkung des Immunsystems, sondern auch um vielfältige Reflexionsangebote.

 

Aufstieg im Brunnen